Kurios

katholischeres Deutschland

Ein katholischeres Deutschland

Das Papsttum Johannes Paul II Benedikt XVI Sedisvakanz Ein katholischeres Deutschland

Die Kirche muss alte Zöpfe abschneiden, um zukunftsfähig zu bleiben.

Die Wahl des Kardinal Ratzingers zum neuen Papst ist vor allem ein Signal der Kontinuität. Er war ein enger Vertrauter von Papst Johannes Paul II. und hat als Präfekt der Glaubenskongregation die theologischen Entscheidungen seines Vorgängers wesentlich beeinflusst. Er gilt als konservativ, aber er ist auch ausserordentlich intelligent und hoch gebildet. Warum soll nicht ein intelligenter Konservativer zu einer Öffnung fähig sein? Nicht nur die Kirchen-, sondern auch die politische Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass gerade Konservative neue Wege beschreiten können. Ausserdem vollzieht Ratzinger einen gravierenden Rollenwechsel vom Bewahrer amtskirchlicher Dogmen zum Brückenbauer (nichts anderes heisst "Pontifex"), das ist ein besonders schöner Titel für den Papst. Warum also soll man nicht hoffen, dass dieser Papst Oberhaupt einer zukunftsfähigen Kirche wird?

Dass der neue Papst die Einheite dieser grossen Kirche gerade in ihrer Vielfalt bewahrt, indem er die Überzeugungs- und Glaubestreue und zugleich die Vielfalt der Gestaltung und der Ausdrucksformen christilichen Lebens fördert - sind doch die Bedingungen christlicher Existenz in Europa, Afrika, Südamerika oder Asien ganz verschieden.

Das verlangt, den Ortskirchen, den nationalen Bischofskonferenzen grösseres Gewicht und mehr Freiheit zuzubilligen. Mehr Einfluss und Gewicht sollten auch die Laien in den Ortskirchen haben, denn die Zukunft der Kirche hängt nicht allein von Priestern und Bischöfen ab.

Schliesslich braucht die Kirche ein anderes Verständnis der Rolle der Frauen. Sie tragen die Kirche vielerorts, sie beweisen dort ebenso wie in der säkularen Welt ihre Eigenständigkeit und Leistungsfähigkeit. Dass alle Menschen Gleiche mit gleicher Würde sind in allen Gesellschaften, die vom Christentum geprägt sind, bestreitet niemand. Und da soll ausgerechnet in der katholischen Kirche ein Frauenbild tradiert werden, das Christinnen in einer Rolle einzuzwingen und festzuhalten sucht? Wie soll das auf Dauer gut gehen? Die Kirche muss endlich auch die Brücke zu den freien und selbstbewussten Frauen der Gegenwart bauen.

 

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